WArum beratung zum Thema Kinderwunsch?

Heutzutage müssen Frauen nicht mehr auf den Weg zum eigenen Kind verzichten. Die Medizin bietet hier verschiedene Möglichkeiten an, dass sie sich ihren Kinderwunsch auch ohne Partner erfüllen können. Bis sich eine Frau dann aber entscheidet, den Weg als Singlemutter zu bestreiten, vergehen oft nicht nur wenige Monate. 

Beispielhaft habe ich hier verschiedene Phasen auf dem Weg zur Solomutterschaft zusammengetragen. Natürlich ist jeder Kinderwunschweg sehr individuell und nicht jede Frau durchläuft jede einzelne Phase. Im Anschluss habe ich zusammengefasst, welche Formen von Unterstützung für die Frauen hilfreich sein können.

Der Kinderwunsch 

Selten kommt er schlagartig - z.B. über Nacht, mit Erreichen einer bestimmten Altersgrenze oder mit Eintreten sich verändernder Lebensumstände. Bei den meisten Frauen in meiner Beratung besteht der Kinderwunsch schon über längere Zeit und konnte einfach nicht erfüllt werden - aufgrund eines fehlenden, nicht passenden bzw. nicht willigen Partners. Diese Frauen entscheiden sich nicht freiwillig dafür, eine Singlemom zu werden. 

Es ist schlicht ihr Plan-B. 


Auf die Suche gehen

Wenn der Kinderwunsch da ist, schauen sich die Frauen zunächst auf herkömmlichem Wege um, wie sie ihren Kinderwunsch erfüllen können. Dabei zeigt sich dann mehr oder weniger schnell: ein One-Night-Stand in der Bar, das krampfhafte Festhalten an einer “verlorenen” Beziehung, das Warten auf Mr. X, der bestimmt morgen in der Straßenbahn sitzt – all diese Wege werden zumindest kurz durchgespielt und in den allermeisten Fällen verworfen oder auch später wieder neu ausgegraben. 


Vergleichen 

Oft gibt es Freunde oder Bekannte, die dann auch ausgerechnet in dieser Zeit ein Kind (oder schon wieder) ein Kind bekommen. Nicht selten sind die Frauen mit Gefühlen von Neid und Eifersucht konfrontiert. Schlimmstenfalls werden sogar Freundschaften eingeschränkt oder beendet.  "Warum sie und nicht ich?" 

Selbstzweifel 

Viele Frauen kommen irgendwann an den Punkt, zu hinterfragen, wo der Kinderwunsch herkommt. Selbstzweifel und falsche Motive nisten sich ein. Warum will ich jetzt unbedingt ein Kind? Sind das “nur” die Hormone? Stimmt etwas nicht mit mir, dass ich so traurig darüber bin, dass es mir derzeit nicht möglich ist, diesen Wunsch zu erfüllen? 


Verschieben und Verdrängen 

Nicht selten kommt es dann vor, dass das Thema erst einmal verschoben wird: “bis ich 35 bin”, “bis zum Winter” oder “bis ich da gerade nicht mehr so emotional darauf reagiere, wie jetzt”. Andere Dinge werden “vorgeschoben” - ein Umzug, eine Wohnung eine neue Jobperspektive. Das Thema wird dann immer wieder in die Schublade gepackt, herausgeholt, verpackt, neu verpackt... Für die Frauen oft ein emotionales Auf- und Ab.  

Trauer 

All diese Gefühle, all das Leid, was die Frauen erleben – es ist normal (und nicht krankhaft). Ein unerfüllter Kinderwunsch ist emotional gleichzusetzen mit einem Verlust einer geliebten Person. Die Frauen betrauern ihren “Plan A”. Hierfür müssen sie sich verabschieden.  Denn nur so kann Plan B auch eintreten.  


Plan B 

Jetzt gelangen die Frauen an einen Punkt, an dem sie anfangen, sich über einen Plan B zu informieren. Gibt es einen anderen Weg?  

Das Familienmodell der Solomutter ist gesellschaftlich noch lange nicht als ein mögliches Familienmodell verankert. Doch der Bekanntheitsgrad nimmt immer mehr zu, nicht zuletzt aufgrund der Einführung des Samenspenderegistergesetzes, was dazu beiträgt, dass immer mehr Kinderwunschkliniken auch alleinstehende Frauen behandeln. Hierfür stöbern die meisten erst einmal im Internet. Doch meistens führt dies zu noch mehr Fragen.  


Feinjustierung 

Ist die Entscheidung gefallen, eine Solomutter (bzw. Single Mom By Choice) zu werden, dann geht es los mit der Beschaffung von Informationen: Coparenting, private Samenspende – oder doch ein Spender von der Samenbank?  In Deutschland oder im Ausland? Mit welchen rechtlichen Konsequenzen? Bei welcher Kinderwunschklinik und von welcher Samenbank?  

Wieder vergeht Zeit, bis die passende Lösung gefunden wird. Denn so eine Entscheidung fällt man nicht einfach so nebenher - sie will gut überlegt sein. Doch ist es die Zeit, die vielen Frauen oft im Nacken sitzt. Denn mit zunehmendem Alter wird es immer schwerer, ein Kind zu zeugen. 


Oder doch nicht Plan B 

Es kann auch immer wieder den Punkt geben, an dem die Frauen ihren Weg hinterfragen. Zweifel setzen sich fest. Häufig beschäftigen sich die Frauen in meiner Beratung mit den Fragen “Ist es nicht egoistisch von mir, auf diese Weise ein Kind zu zeugen? Kann ich mir das überhaupt zutrauen oder nehme ich meinem Kind nicht das Recht auf seinen Vater und seine Identität?”  

Momente des Zweifels sind normal!! Hier fängt die Frau an, sich ihren individuellen Umgangsweg mit dem Thema zu erarbeiten.   


Der erste Versuch- meist kein Treffer 

Los geht es dann mit der Kinderwunschbehandlung. Bei den meisten bleibt es nicht bei einem Versuch. Auch diese Zeit kann für viele Frauen sehr belastend sein. Insbesondere Fehlgeburten stellen für die Frauen einen schweren Rückschlag dar. Aber auch die Kinderwunschbehandlung kann psychisch und körperlich sehr belastend sein.  


Endlich schwanger  

Jetzt wäre eigentlich ein Moment des Aufatmens da. Die kritischen drei Monate sind überstanden. Doch spätestens jetzt taucht die Frage auf: “Wem sag ich es wann und wieviel erzähle ich?”. Das ist die mit Abstand am meisten gestellte Frage, die mir im Beratungsalltag begegnet. Und natürlich gibt es da keine einfache Antwort – jede Frau muss sich den Umgang mit diesem Thema erarbeiten. Anderen Menschen aus dem Umfeld zu erklären, dass das eigene Kind aus einer Samenspende entstanden ist – dies nehmen einige Frauen als ein “Coming Out” wahr. Denn wenn eine Singlefrau plötzlich schwanger wird - dann gibt es für Andere “viele” Fragen. Und die Menschen sind oft neugierig und fragen. Wie geht frau also damit um?  


Kurz vor der Geburt 

Und es bleibt nicht bei der einen Frage. Jetzt gibt es plötzlich so viele Dinge, die zu beachten sind. Vor allem zu den rechtlichen und finanziellen Aspekten, die sich insbesondere für Solomütter ergeben, haben die Frauen viele Fragen. Denn sie sind (zunächst) geplant alleinerziehend. Es wird erst einmal keinen Partner geben, der diese Familie mit unterstützt. Insbesondere im öffentlich-rechtlichen Bereich gibt es noch nicht überall einen sensiblen Umgang mit dem Begriff der Solomutter. Die Frauen müssen sich immer wieder erklären. Und auch hier: Wem sage ich was? Muss ich dem Amt sagen, dass es eine Samenspende war?  


Das Kind ist da 

Meistens beginnt hier die “Normalität” und die Frauen nehmen zu diesem Zeitpunkt kaum noch einen Unterschied zu anderen Familienmodellen war. Rechtlich und natürlich finanziell gibt es hin und wieder Fragen. Was aber mit zunehmendem Alter des Kindes jetzt spannend wird, ist die Frage “Wann kläre ich mein Kind auf und wie?” und später dann “Wie spreche ich es in der Kita an?”. Auch hier gibt es keinen Kurzfahrplan und die Frau muss sich ihren individuellen Weg erarbeiten, der am Ende auch authentisch sein muss.  

 

Welche Formen der Unterstützung sind hilfreich?  

Beratung 

Vielen Frauen hilft es, einen professionellen Ansprechpartner zu finden und den Kinderwunsch unter einem “neutralen” Rahmen zu beleuchten. BKiD-zertifizierte Kinderwunschberater*innen beraten professionell und unterstützen Frauen (und übrigens auch Paare) bei ihrer Entscheidungsfindung zum Kinderwunsch. Sie begleiten dir Frauen bei allen relevanten Fragestellungen vor, während und nach der Geburt. Ein Schwerpunkt bei den Solomüttern ist es, den individuellen Umgang mit Aufklärung (des Kindes und des Umfelds) zu erarbeiten.  


Information 

Im Internet gibt es kaum seriöse und verlässliche Infos insbesondere zu den rechtlichen und finanziellen Aspekten für Solomütter mit konkreten Fragestellungen. Viele Ämter, Beratungsstellen oder Anwälte sind nicht in dieses Thema eingearbeitet. Es gibt nur wenige spezialisierte Anwälte.  


Vernetzung  

Vielen Frauen hilft es, sich untereinander auszutauschen. Häufig ist der Bedarf an Austausch in der Planungs- und Schwangerschaftsphase noch sehr groß. Später geht es eher darum, sich gegenseitig zu unterstützen und ganz praktische alltagstypische Fragen zu lösen. Schließlich hilft es vielen Frauen, die oben erwähnten Fragen mit anderen Solomüttern zu diskutieren und den individuellen Umgang anderer Solomütter mit diesen Fragen kennen zu lernen und auszutauschen.  


Social Support 

Neben dem Austausch mit anderen Solomüttern ist es wichtig, ein eigenes tragfähiges soziales Netzwerk zu besitzen. Freunde und Familie begleiten die Solomutter die ganze Zeit. Sie unterstützen in Krisen, bilden wichtige Bezugspersonen für das Kind und können später sogar babysitten.  

Solomütter müssen (und sollten auch) nicht nur unter Solomüttern sein. Sie brauchen einen ganz normalen Austausch mit anderen Müttern, die ihrerseits wiederum in den verschiedensten Familienmodellen leben. Mütter im eigenen Kiez kennenzulernen, das geht schneller als man denkt. Spielplätze, Familienzentren und Kurse sind beispielsweise eine gute Möglichkeit, um mit anderen Müttern ins Gespräch zu kommen.  


Gesellschaftliche Anerkennung 

Neben all diesen Punkten ist es wichtig, dass sich dieses Modell als ganz normales Familienmodell in der Gesellschaft etabliert. Hierfür ist es einerseits wichtig, dass dieses Thema immer mehr an die Menschen gelangt, durch den Austausch mit Freunden, durch die Darstellung in den Medien  und letztendlich durch eine politische Wahrnehmung dieses neuen Familientyps in allen Rechtsbereichen.  

Als zertifizierte Kinderwunschberaterin biete ich daher Beratung, Information und Möglichkeiten der Vernetzung an. Zudem ist es mir ein Anliegen, dazu beizutragen, den Familientyp der Solomutter oder Single Mom By Choice auf öffentlicher Ebene zu etablieren.  

Lasst uns den Weg gemeinsam gehen...